Topthemen-Ethik

Die GDCh ist temporär oder ständig in verschiedenen Gremien aktiv, die sich gegen Chemiewaffen richten. Sie ist etwa Mitglied im deutschen Arbeitskreis „Abrüstung und Nichtverbreitung biologischer und chemischer Waffen“. Der Arbeitskreis wurde 1997 gegründet und wird von verschiedenen Organisationen getragen. Sein Ziel ist es unter anderem, im Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis die Kenntnisse über biologische und chemische Rüstungskontrolle zu vertiefen.
Die GDCh ist auch im Advisory Board des vom BMBF geförderten „Competence Network on Chemical and Biological Weapons (CBW Competence Network)“ vertreten, das im April 2022 seine Projektarbeit aufgenommen hat. Das Netzwerk arbeitet unter anderem daran, die Normen gegen Chemie- und Biowaffen (CBW) zu stärken.
Von 2016 bis 2021 war die GDCh im Advisory Board on Education and Outreach der OVCW vertreten. Die OVCW ist eine unabhängige internationale Organisation, die die Einhaltung und Umsetzung der Chemiewaffenkonvention überwacht und die Rahmenbedingungen für die Vernichtung von Chemiewaffen festlegt.
Neue Ergebnisse der Biografieforschung liefern Zahlen zu verfolgten Chemikern, Laboranten und Studierenden und offenbaren deren Schicksale. Diese Menschen fehlten als Korrektiv bei der Gründung der GDCh. Zum Beitrag von Helmut Maier in den Nachrichten aus der Chemie bzw. in der GDCh-App (Zugriff für Mitglieder unter https://gdch.app/article/verfolgung-emigration-widerstand-4143366)
Gemeinsame Pressemitteilung des Dachverbands der Geowissenschaften (DVGeo), der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV), der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und des Verbands Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO).
Forschende in den Naturwissenschaften sollten Kriterien für die Motive ihres Forschens und die Folgen kennen. Ethische Aspekte zeigen sich an Beispielen wie Atombomben, Gentechnik und seltenen Erden. Zum Beitrag von Klaus Merz in den Nachrichten aus der Chemie bzw. in der GDCh-App (Zugriff für Mitglieder unter https://gdch.app/article/wissen-wie-zu-handeln-ist-4138912)
Seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine gibt es Befürchtungen, die Kriegsparteien könnten Chemiewaffen einsetzen. Als Chemikerinnen und Chemiker haben wir eine besondere Verantwortung, Herstellung und Verwendung chemischer Waffen zu verhindern. Die GDCh ist an verschiedenen Stellen aktiv, um das Bewusstsein dafür zu schärfen. Zum Beitrag von Karin J. Schmitz in den Nachrichten aus der Chemie bzw. in der GDCh-App (Free Access): https://gdch.app/article/gegen-chemische-kampfstoffe-4133151
In einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Leopoldina und der Deutschen Forschungsgemeinschaft wurde 2021 die Problematik des Dual Use, also der Verwendung von Forschungsergebnissen sowohl für gewünschte Anwendungen als auch für die missbräuchliche Verwendung diskutiert. Eine weitere Veranstaltung mit Vertretern der GDCh folgte im Jahr 2022.
Nachdem die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OVCW) den wiederholten Giftgaseinsatz in Syrien, unter anderem im Februar 2018, bestätigt hatte, verurteilte die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) den Einsatz scharf. „Wir sind entsetzt, dass erneut und immer wieder Menschen mit chemischen Kampfstoffen ermordet oder verletzt werden“, betonte Dr. Matthias Urmann, damals Präsident der GDCh, in einer Pressemitteilung mit dem Titel Chemikerinnen und Chemiker verurteilen Giftgaseinsatz in Syrien.
Die chemischen Gesellschaften Europas, darunter die GDCh, bekräftigen damals ihr Bekenntnis zur Erklärung von Sevilla, die 2016 abgegeben wurde. In der Erklärung, die von 36 chemischen Gesellschaften in Europa unterzeichnet wurde, heißt es: „Wir, die Mitgliedsgesellschaften der Europäischen Vereinigung für chemische und molekulare Wissenschaften (heute European Chemical Society, EuChemS), verurteilen den Einsatz von Chlor in Syrien und anderen Teilen der Welt und fordern die internationale Gemeinschaft auf, die Verantwortlichen für den Missbrauch von Chlor vor Gericht zu stellen".
Unter Leitung der OVCW erarbeiteten mehr als 30 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Vertreterinnen und Vertreter chemischer Fachgesellschaften die „Haager Ethik-Leitlinien“, die im September 2015 verabschiedet wurden. Auch drei Vertreter der GDCh waren an der Ausarbeitung beteiligt. Der GDCh-Vorstand unterstützt die Haager Ethik-Leitlinien.
„Haager Ethik-Leitlinien“ (englisch), deutsche Übersetzung der „Haager Ethik-Leitlinien“
Im April 2015 wurde bei einer Gedenkveranstaltung im belgischen Ypern der Menschen gedacht, die dort 100 Jahre zuvor beim ersten großen Giftgaseinsatz des 1. Weltkriegs und in späteren Einsätzen ums Leben kamen. Die chemische Community war mit den damals amtierenden Präsidenten von GDCh und EuChemS, Thomas Geelhaar und David Cole-Hamilton und dem damaligen Past President der Royal Society of Chemistry, David Phillips vertreten.
Im Jahr 2015 erscheint die Studie Chemiker im Dritten Reich, die der Wissenschaftshistoriker Helmut Maier im Auftrag der GDCh verfasst hat. Damit bekennt sich die Gesellschaft Deutscher Chemiker zur Aufarbeitung der Geschichte ihrer Vorgängergesellschaften. Das über 700 Seiten umfassende Buch bietet eine detaillierte und unabhängige Studie über Funktionen und Strukturen der DChG und des VDCh von 1933 bis 1945. Neben der Beschreibung der damals geschaffenen Strukturen werden, als mahnende Erinnerung für die Nachfolgegenerationen, auch Einzelschicksale aufgespürt und beleuchtet.
Jede Person, die Mitglied der GDCh werden möchte, muss den GDCh-Verhaltenskodex unterschreiben. Darin heißt es unter anderem: „Alle GDCh-Mitglieder sind sich bewusst, dass sie als Naturwissenschaftler in besonderem Maße für die Auswirkungen ihrer beruflichen Tätigkeit auf Mensch und Natur verantwortlich sind. (…) Sie beachten die für ihre Arbeit und deren Ergebnisse und Wirkungen geltenden Gesetze und internationalen Konventionen und stellen sich gegen den Missbrauch der Chemie, z. B. zur Herstellung von Chemiewaffen und Suchtmitteln. Bei der Erarbeitung, Anwendung und Verbreitung von chemischem Wissen sind sie der Wahrheit verpflichtet und bedienen sich keiner unlauteren Methoden.“